Freiheit, Freude, schöne Frauen

Juni 20, 2008

Getrieben von der Lust auf Freiheit und Frauen produzierte Man Ray surrealistische Aktfotos und Porträts. In der Berliner Ausstellung  „Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“ sind jetzt Werke aus dem lange vernachlässigten Nachlass des US- Künstlers zu sehen.

Louis Aragon muss nicht schlecht gestaunt haben, als Man Ray die Schublade aufzog. Der Schriftsteller bat den Künstler um Illustrationen für ein surrealistisches Erotikmagazin – und Ray präsentierte ihm auf Anhieb das Gewünschte. Fotos, die Ray mit seiner Geliebten Kiki de Montparnasse in innigster Umschlingung und Durchdringung zeigten – aufgenommen mit viel Sinn für die Detailansichten des Aktes noch heute wirken diese Aufnahmen von 1929 kühn.  

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Gezeigt werden sie jetzt in einer Man-Ray-Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau. Ungewöhnlich an dieser Schau ist vor allem, dass sie ausschließlich auf die Bestände des Man Ray Trusts zurückgreift – auf eine Nachlass-Kollektion also, von der Experten lange annahmen, sie bestehe „nur noch aus zweitklassigen Gemälden “ („ArtNews“).

 

 Kaum war Man Ray 1976 mit 86 Jahren in Paris gestorben, wurde seinem Nachlass übel mitgespielt.

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Werke verschwanden, Verkäufe blieben undokumentiert, die Werkdatei ging verloren, dubiose Abzüge kamen auf den Markt. Später mussten herausragende Teile der Kollektion zur Begleichung der Erbschaftsteuer dem Pariser Centre Pompidou überlassen und beim Auktionshaus Sotheby’s versteigert werden. Der auf etwa 4000 Werke, Materialien und Memorabilien dezimierte Rest, der dem Man Ray Trust blieb, flog in Pappkartons verpackt nach New York. Heute lagert der Nachlass eines der teuersten Fotokünstler des 20. Jahrhunderts in Tresoren – in den Hinterzimmern einer Autowerkstatt auf Long Island.

 Seine Motive: Freiheit, Freude und Frauen

Gleich nebenan, in New York City, hatte zwischen 1911 und 1920 seine Karriere begonnen. Ray, der mit bürgerlichem Namen Emmanuel Rudnitzky hieß, experimentierte mit Malerei, mit Kollagen, Assemblagen und Fotografie. Sein Freund Marcel Duchamp hatte ihn zu unkonventionellen Ausdrucksformen angeregt. Einmal hängte Ray einen kaputten Lampenschirm erst spiralförmig in seinem Atelier auf und gab ihn dann als Kunst Objekt in eine Ausstellung. Dort wurde das Werk vom Hausmeister für Abfall gehalten und zerstört.

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Glücklichere Aufnahme fanden Man Rays Kunst  bemühungen in Paris, wohin er Duchamp 1921 gefolgt war. Fast unmittelbar nach seiner Ankunft machte er Furore, anfangs mit Werk- und Künstlerfotos, bald mit Porträts und Modeaufnahmen, und schnell auch mit seinen „Rayografien“, die ohne Kamera durch Lichteinfluss auf Fotopapier entstanden.

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„Es gab immer und gibt immer“, so bekannte er, „zwei Beweggründe für das, was ich tue: die Freiheit und die Freude.“ Und die Frau, muss man wohl ergänzen. Eine Vielzahl seiner bedeutendsten Werke zeigen ihn als großen Erotiker. Sein Lieblingsmotiv in den zwanziger Jahren war die erwähnte Kiki de Montparnasse, die ein begehrtes Malermodell war und als laszive Nachtclubsängerin auftrat. Das perfekte Oval ihres Gesichts zeigt die berühmte Fotografie „Noire et Blanche“, die ihr weißes Antlitz in somnambuler Zwiesprache mit einer schwarzen Maske abbildet.

Kaum hatte Kiki Man Ray verlassen, fand sich Lee Miller ein, um bei ihm die Fotografie zu erlernen. Sie hatte in den USA als Model gearbeitet und wollte nun hinter der Kamera stehen. Miller war drei Jahre seine Assistentin, sein Model, seine Geliebte – und wurde selbst eine große Fotografin. Ihr Mund taucht in Man Rays bekanntestem Gemälde auf: Es zeigt ein Lippenpaar, das wolkengleich über einer Landschaft schwebt und im Parallelschwung des Mundes die aneinander geschmiegten Körper zweier Liebenden evoziert.

Schnappschuss vom verliebten Picasso

Etwas angestrengt versucht die Ausstellung, die beiden folgenden Lebensabschnitte Man Rays als künstlerisch ähnlich produktiv dazustellen: Man Ray floh 1940 kurz vor der Besetzung von Paris zurück in die USA und ließ sich in Los Angeles nieder, bevor er 1951 wieder nach Paris zog. Doch die gezeigten Arbeiten dieser Jahre sind meist wenig originell und oft nur Variationen früherer Werke.

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Ohnehin sind viele von Man Rays ikonischen Arbeiten – die junge Meret Oppenheim an der Druckmaschine beispielsweise, oder seine gläsernen „Tränen“ – nicht vertreten. Zwar kann der Kurator, der amerikanische Fotoexperte John Jacob, als künstlerisches Konzept anführen: „Für Man Ray war die einem Kunstwerk zugrunde liegende Idee wichtiger als seine physische Präsenz.“ Aber für die Ausstellung ist es problematisch, wenn sich einige Ideen gar nicht und andere vor allem über Reproduktionen aus den letzten Lebensjahren des Künstlers vermitteln. Für Kenner freilich bietet die Schau nette Trouvaillen – etwa wenn sie zeigt, wie Man Ray den Schnappschuss von einem turtelnden Picasso in eine Zeichnung umsetzt.

Außerdem sind da noch die tieferen Einblicke in Rays Kunst- und Liebesanstrengungen, die einst schon Aragon verblüfften. Diese Aktfotografien werden selten gezeigt. Selbst 1929 hatte kaum jemand das mit ihnen illustrierte Erotikmagazin zu sehen bekommen: Die 500er-Auflage war kurz nach ihrer Fertigstellung von Zollbeamten beschlagnahmt und vernichtet worden.

 

 

 


 
  
 
 
 

 

 
 
 
 

 

Man Ray: „Unbekümmert, aber nicht gleichgültig“, Martin-Gropius-Bau, Berlin, bis 18. August

 

Quelle: www.spiegel.de

Félix Vallotton

Juni 3, 2008

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Der schweizer Künstler Félix Vallotton wurde 1865 als Sohn eines Drogisten in Lausanne geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit siebzehn Jahren ging Félix Vallotton nach Paris, um an der freien Académie Julian Kunst zu studieren. An der Académie kam Félix Vallotton mit Vertretern des Symbolismus und der Künstlergruppe Nabis zusammen, zu der auch Edouard Vuillard und Pierre Bonnard gehörten.

 

Im Jahre 1897 wurde Félix Vallotton Mitarbeiter der Zeitschrift Cris de Paris, für die er häufig die Umschläge illustrierte. Die Heirat mit der Galeristenschwester Gabrielle Rodrigues-Henriques im Jahr 1899 brachte ihm schließlich die erforderliche finanzielle Sicherheit, die er als unabhängiger Künstler brauchte. Ein Jahr später stellte Félix Vallotton seine Bilder in einer Ausstellung der Berliner Secession aus. 1903 stellte Félix Vallotton mehrere Bilder in einer Ausstellung der Wiener Secession aus, die von Ferdinand Hodler und Gustav Klimt gelobt wurde.

 

Félix Vallotton´s Werk ist vielfältig und umfasst über 200 Holzschnitte und Zeichnungen, über 1.700 Gemälde, Skulpturen, drei Romane, mehrere Theaterstücke und eine Reihe von Essays. Bis zu seinem Tod im Jahre 1925 gehörte Félix Vallotton zu einer der bedeutendsten Vertreter des Symbolismus und Jugendstils, inspirierte aber viele nachfolgende Stielrichtungen und Künstlergruppen wie die Brücke, den Surrealismus, die Pittura Metafisica oder auch die Pop-Art. In zahlreichen Bildern und Aktdarstellungen gelang Vallotton jene unterkühlte Erotik und Plastizität, die den Stil der „Neuen Sachlichkeit“ vorwegnimmt.

 

Gakyo-rojin „alter Mann verrückt nach Malen“

März 10, 2008
'Japonaiserie - der Baum nach Hiroshige' von Vincent van Gogh

'Japonaiserie - der Baum nach Hiroshige' von Vincent van Gogh

Der Impressionismus entwickelte sich ab 1860 in Frankreich und nachfolgend in ganz Europa. Es handelte sich um eine neue und revolutionär wirkende Malweise, bei der die Farbe und weniger die Form im Vordergrund steht. Typisch für den Impressionismus ist die Freilichtmalerei, bei der die Wirkung des Lichteinfalls eine entscheidende Rolle spielte.

Als Gründervater des französischen Impressionismus gilt Claude Monet, der am 14. 11. 1840 in Paris geboren wurde und mit von dunkeltonigen Figurenbildern zur Freilichtmalerei überging. 1874 organisierte Claude Monet die erste Impressionistenausstellung in Paris. Sein grosses Thema der letzten waren die Wasserlilien und eine japanischen Brücke in seinem Garten. Weitere franz. impressionistische Künstler waren Édouard Manet, Claude Monet, Camille Pissarro, Edgar Degas, Pierre-Auguste Renoir , Paul Cézanne, Henri de Toulouse-Lautrec und natürlich Vincent van Gogh.

Allen gemeinsam ist die freundschaftliche Verbindung über die Impressionistenausstellungen und die Beeinflussung durch Japanische Holzschnitte, insbesondere die bekannten japanischen Farbholzschnitte des Wunderkinds Katsushika Hokusai. Hokusai, der sich selber den Künstlernamen „Gakyo-rojin“ gab („alter Mann verrückt nach Malen“) hatte am Ende seines Lebens über 30.000 Farbholzschnitte geschaffen. Seine Serie 36 Ansichten des Fuji ist sicherlich die bekannteste von Hokusai. Das Blatt „Die grosse Welle“ gilt als der bekannteste japanische Farbholzschnitt überhaupt. Nicht nur die Bildkompositionen und Formgebungen von Hokusai´s Bildern beeinflusste die französischen Impressionisten, sondern insbesondere auch die revolutionär wirkende Farbgebung.

Wer kennt das Bild „Nachtcafe“ von Vincent van Gogh?

Februar 19, 2008

vincent van gogh cafeterasse bei nacht

Der niederländische Maler Vincent van Gogh wurde am 30. 3. 1853 in Groot-Zundert, in den Niederlanden geboren. Vincent van Gogh scheiterte in allen Berufen (Lehrer, Prediger, Buchhändler) die er erlernte und ausübte. Auf Anregung von seinem Bruder Theo van Gogh entschied sich Vincent im Alter von 27 Jahren für ein Leben als Künstler. Im Jahr 1888 zieht Vincent van Gogh nach Arles, wo er gemeinsam mit Paul Gauguin, den er in Paris kennen gelernt hatte, eine Künstler-Kommune begründet. Die gemeinsame Zeit mit Paul Gauguin in Arles ist geprägt von Streitigkeiten, Bordellbesuchen und hohen Absinthkonsum. Im Dezember 1888 kommt es zum Eklat, als Vincent van Gogh nach einem Streit mit Gauguin sich das linke Ohr im Absinthrausch abschneidet, um es einer Prostituierten zu schenken. In dieser Zeit entstehen einige der bekanntesten Bilder von Vincent van Gogh, unter anderem Sternennacht und „Nachtcafe“ (frz. Café de Nuit) oder Caféterasse bei Nacht. Das Gemälde  „Nachtcafe“ entstand kurz vor dem Eklat mit Paul Gauguin im September und dürfte seinem damaligen Seelenzustand entsprechen. Van Gogh zeigt malt das Cafe in Arles in einer für ihn ungewöhnlichen Perspektive. „Ich habe versucht, mit Rot und Grün die schrecklichen menschlichen Eigenschaften auszudrücken. Der Raum ist blutrot und mattgelb, ein grünes Billard in der Mitte, vier zitronengelbe Lampen mit orange- farbenen und grünen Strahlenkreisen (…) Ich habe versucht, den Gedanken auszudrücken, dass das Café ein Ort ist, an dem man sich ruinieren, verrückt werden oder ein Verbrechen begehen kann.“ (Zitate von Vincent, in: Cole 1994, S. 46 und Walther 1986, S. 44). Das Bild ist das erste Gemälde von vielen, die van Gogh mit Sternenhimmelhintergrund malte. Das Gemälde hängt heute im Kröller-Müller Museum und ist vielleicht Vincents ausdrucksstärkstes Bild. 


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